„Ich weiß gar nicht, was mich heute am Festakt des Musikvereins erwartet, es hat keiner nur eine Silbe darüber verloren.“ Mit diesen Worten beschrieb Georg Horak seine Gedanken, noch bevor der feierliche Abend im Pfarrsaal begann. Dass ihn wenige Stunden später tiefe Rührung, Applaus und höchste Auszeichnungen erwarten würden, ahnte der langjährige Hauptvorstand des Musikverein Oberammergau zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Bereits Stunden vor Beginn war der Pfarrsaal in Oberammergau festlich hergerichtet. Der Musikverein hatte eingeladen, um den Abschied von zwei prägenden Persönlichkeiten würdig zu begehen: von Georg Horak als Hauptvorstand und vom scheidenden Orchestervorsitzenden Johannes Klucker. Beide können auf ein außergewöhnliches Lebenswerk im Dienst der Musik und des Ehrenamts zurückblicken und wurden bereits bei der letzten Jahreshauptversammlung zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Schon bei der Wahl im Jahr 2024 hatte Horak Klartext gesprochen: „Jetzt habt ihr bis zur nächsten Wahl Zeit, einen neuen Hauptvorstand zu finden. Es müssen Jüngere ran. Ich bin dann 25 Jahre Vorstand – das muss reichen.“ Worte, die seine Haltung widerspiegeln: Verantwortung übernehmen, aber auch rechtzeitig loslassen. Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung wurde mit Ernst Maderspacher ein neuer Hauptvorstand gewählt. Auch Johannes Klucker verabschiedete sich aus seiner Funktion als Leiter des Orchesters, die er fast 20 Jahre lang ausgeübt hatte.
Als Horak den Pfarrsaal betrat und die Vielzahl an Gästen sah, wurde ihm schnell bewusst, dass dieser Abend ein besonderer werden würde. In der ersten Reihe saß er neben seiner Frau Elfriede – aufmerksam, ruhig, mit dem Wissen, dass sein Lebenswerk weitergeführt wird.
Horaks Weg in die Musik begann früh. „Damals musste ich von meinem Vater aus im Jahr 1963 die Zither lernen“, erinnerte er sich. Später entschied er sich selbst für das Tenorhorn. Musik war für ihn nie nur Vereinsarbeit, sondern Leidenschaft. Er spielte sogar in einer Band: mit den „Laber-Buam“ trat er unter anderem im damaligen Wienerwald am Sternplatz auf. Seine musikalischen Wege führten ihn bis ins Sauerland – weit über die Grenzen Oberammergaus hinaus.
Der heute 72-Jährige hat sich bewusst entschieden, künftig nicht mehr „in der ersten Reihe“ stehen zu müssen. Der Musik bleibt er treu, nun eben „ein, zwei Reihen dahinter“. Für seine Familie sei es ungewohnt, dass er nun öfter zu Hause sei und mehr Zeit habe, sagte Horak schmunzelnd.
Zunächst wurde Johannes Klucker an diesem Abend geehrt. In einer Laudatio würdigte Anton Speer sein jahrzehntelanges Engagement, auch im Zusammenhang mit den Passionsspielen. Speer hatte zudem eine besondere Auszeichnung im Gepäck: Er verlieh Klucker das Ehrenzeichen des Landkreises für Verdienste im Ehrenamt in Silber.
Auch Bürgermeister Andreas Rödl schloss sich den Worten des Landrats an. Nach seiner Laudatio überreichte er Klucker das Ehrenzeichen der Gemeinde Oberammergau in Silber – eine sichtbare Anerkennung für fast zwei Jahrzehnte Verantwortung und musikalische Leitung.
Während Horak den Ehrungen für Klucker aufmerksam folgte, spielte die Musik eine zentrale Rolle im Ablauf des Abends. Immer wieder sorgten besondere Musikstücke für emotionale Momente. Der Trommlerzug eröffnete den Festakt eindrucksvoll mit einem Einmarsch in den Saal.
Dann war der Moment gekommen, an dem Georg Horak selbst nach vorne gebeten wurde. Die Laudatio hielt Johannes Klucker – persönlich, ehrlich und mit großem Respekt: „Du hast Ruhe in den Verein gebracht, als du ihn übernommen hast. Die Zusammenarbeit mit dir war sehr vertrauensvoll und kreativ. Als Organisationstalent bist du bekannt. Als Vorstand hast du immer den richtigen Ton gewählt. Du hast die Ehrung mehr als verdient.“
Horak wurde an diesem Abend vom Musikverein zum Ehrenvorstand ernannt. Ernst Maderspacher überreichte ihm hierzu die Ehrenurkunde. Vom Musikbund Werdenfels kam Hubert Schwingshandl zur Verleihung: „Georg, du hast diese Auszeichnung mehr als verdient. Du warst wenig bei deiner Familie und hast viel Zeit in den Verein eingebracht“, betonte Schwingshandl.
Für Landrat Anton Speer war dies jedoch noch nicht das Ende der Ehrungen. „Mehr geht nicht“, sagte er und verlieh Horak das Ehrenzeichen des Landkreises für Verdienste im Ehrenamt in Gold – die höchste Auszeichnung. Auch die Gemeinde Oberammergau würdigte den jahrzehntelangen Einsatz und überreichte dem 72-Jährigen das goldene Ehrenzeichen der Kommune.
Horaks Vereinslaufbahn ist beeindruckend: Seit 45 Jahren Mitglied im Musikverein, begann er als Notenwart, übernahm später das Amt des Kassiers und wurde im Jahr 2001 zum Hauptvorstand gewählt. Zu seinen musikalischen Leistungen gehört auch außergewöhnliche körperliche Fitness: 39-mal war Horak beim König-Ludwig-Feuer auf dem Kofel oder an der Feuerstelle beim Kreuz im Einsatz, um dort zu musizieren – ein Einsatz, der Ausdauer und Hingabe verlangte.
Sichtlich bewegt richtete er am Ende selbst Worte an die Anwesenden: „Ich bin fertig – mit all dem habe ich nicht gerechnet“. Langweilig werde ihm dennoch nicht. „Daheim gibt es viel zu tun. Ich stehe euch aber immer zur Verfügung, wenn ich gebraucht werde“.
Zum Abschluss spielten die Musiker einen Zapfenstreich für ihren Ehrenvorstand – ein würdevoller, stiller Höhepunkt. Ein Abschied war dieser Abend nicht im eigentlichen Sinne. Vielmehr war er ein Dank an einen Mann, der den Musikverein Oberammergau über Jahrzehnte geprägt hat – mit Ruhe, Verlässlichkeit und dem stets richtigen Ton.
Auf dem Foto zu sehen:
v. l.: Andreas Rödl, Ernst Maderspacher, Johannes Klucker, Georg Horak, Anton Speer, Landtagsabgeordneter Florian Streibl.
Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
Achtung!
Um die honorarpflichtigen Bilder / Videos in voller Auflösung und ohne Wasserzeichen herunterladen zu können, müssen Sie sich nur kurz oben im Menü einmalig registrieren. Nach einer Bestätigungsmail können Sie sich einloggen und die Bilder / Videos aussuchen. Den Downloadlink erhalten Sie dann per Email und finden diesen ebenfalls in der Rubrik Bestellungen.