Dorrit Gläßel aus Eschenlohe kauft regelmäßig in der Marktgemeinde Murnau ein. Da ihre Erledigungen meist etwas Zeit in Anspruch nehmen, ist sie dabei auch auf öffentliche Toiletten angewiesen. Doch genau hier sieht die Rentnerin erheblichen Handlungsbedarf.
Besonders kritisch beurteilt Gläßel die kommunalen Toiletten am Forstanger. „Hauptsache, man baut dort einen überdachten Fahrradständer für ein paar wenige Räder. Aber in die öffentlichen Toiletten investiert die Gemeinde nicht“, sagt sie enttäuscht. Eine Nachschau unserer Redaktion bestätigt den Eindruck: Im Männer-WC liegt ein beißender Uringeruch in der Luft, die Anlage wirkt insgesamt stark in die Jahre gekommen. Beschmierte Wände, deutliche Abnutzung und defekte Türgriffe prägen das Bild.
Gläßel habe diese Missstände bereits vor längerer Zeit im Rathaus angesprochen. „Beim Objektbetreuer fand ich keinen Anklang“, berichtet sie. Auf Anfrage erklärt Sophie Klagsbrun von der Marktgemeinde Murnau: „Wir lassen die öffentlichen Toiletten einmal pro Tag, sieben Tage die Woche, durch eine externe Firma reinigen“.
Gleichzeitig kündigt die Kommune Verbesserungen an. Bereits im vergangenen Jahr seien Maßnahmen beauftragt worden. „Wir werden neue Spender anbringen lassen, zudem werden die Toiletten in der Nacht wieder verschlossen. In der Nachtzeit mussten wir feststellen, dass die Verunreinigungen und Schäden zugenommen haben“, so Klagsbrun. Auch die Reinigungsleistung solle künftig stärker kontrolliert werden, eine neue Vergabe der Reinigungsleistung sei nicht ausgeschlossen. Als Positivbeispiel nennt Gläßel die Sanitäranlagen im Kultur- und Tagungszentrum Murnau: „Hier ist es immer sauber, hier ist auch immer ein Hausmeister vor Ort.“
Kritik übt Gläßel zudem an den Toiletten im Tengelmann-Center. „Die Frauen gehen schon auf das Männerklo, da dieses meist sauberer ist“, berichtet sie. Besonders entsetzt habe sie: „Es wurde sogar das große Geschäft neben die Toilette gemacht. Unvorstellbar, wie es dort aussieht“.
Daniel Gläser von der ASG Immobilien GmbH widerspricht dem Eindruck mangelnder Pflege. „Dreimal täglich säubert ein Reinigungsteam die Toiletten“, betont er. Gleichwohl räumt er Probleme ein: „Leider gibt es immer wieder Vorfälle des respektlosen Umgangs mit fremdem Eigentum“. Die Anlage sei für die hohe Besucherzahl ausgelegt und entsprechend stark frequentiert. Im Gebäude hänge zudem eine Telefonnummer aus (089-38905590), über die Missstände jederzeit gemeldet werden könnten. „Wir sind sehr bemüht, den Zustand auf einem hohen Niveau der Sauberkeit zu halten. Deshalb werden wir eine weitere Grundreinigung veranlassen“, so Gläser.
Für Doritt Gläßel greift das dennoch zu kurz. Sie fordert personelle Präsenz: „Hier muss ein Toilettenmann her, der auch Geld dafür bekommt.“ Als Vorbild nennt sie das GEP-Einkaufszentrum in Garmisch-Partenkirchen. „Dort zahlt man einen kleinen Betrag und bekommt dafür ein sauberes WC – das mache ich gerne“.
Dass die Marktgemeinde grundsätzlich bereit ist, in öffentliche Sanitäranlagen zu investieren, zeigt die jüngste Eröffnung neuer WC-Anlagen an der Schweinebucht. Am Forstanger jedoch, wird eine einfache Grundreinigung und neue Spender kaum ausreichen. Am Ende, darin sind sich alle Seiten einig, hängt der Zustand öffentlicher Toiletten nicht nur von Reinigung und Kontrolle ab – sondern auch vom respektvollen Umgang der Nutzer selbst.
Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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