ID: 1424
22.01.2026

„Die Feuerwehr ist kein Sicherheitsdienst“

Dass ehrenamtliche Feuerwehren Veranstaltungen in ihren Kommunen absichern, ist vielerorts zur Selbstverständlichkeit geworden. Einsatzfahrzeuge werden als mobile Straßensperren genutzt oder begleiten Festzüge und sichern Märkte. Was auf den ersten Blick pragmatisch wirkt, birgt bei näherer Betrachtung ein grundlegendes Problem: Diese Aufgabe gehört nicht zum originären Auftrag der Feuerwehr.

Die Feuerwehr ist dafür da, Brände zu bekämpfen, Menschen und Tiere aus Notlagen zu retten, technische Hilfe bei Unfällen zu leisten und den Brandschutz sicherzustellen. Zusammengefasst in den vier Kernaufgaben „Retten – Löschen – Bergen – Schützen“. Auch wenn Feuerwehren bei Veranstaltungen Sicherheitswachen stellen, geschieht dies ausschließlich im Rahmen des vorbeugenden Brandschutzes. Dazu zählt etwa das Eingreifen bei Bränden oder das Einleiten einer Evakuierung im Ernstfall. Die äußere Absicherung von Veranstaltungen hingegen fällt in den Zuständigkeitsbereich von Sicherheitsdiensten oder der Kommune selbst.

Ein positives Beispiel liefert die Marktgemeinde Murnau. Dort hat man sich früh bewusst gegen den Einsatz der Feuerwehr zur Veranstaltungsabsicherung entschieden. „Wir haben uns von Anfang an dafür entschieden, dass diese Sicherheitsabsperrungen ein Sicherheitsdienst übernimmt“, erklärt Florian Krammer, Erster Kommandant der Feuerwehr Murnau und Leiter des Ordnungsamtes. Murnau ist es gewohnt, regelmäßig Veranstaltungen auf öffentlichen Flächen auszurichten – vom wöchentlichen Markt in der Fußgängerzone bis hin zu zahlreichen Märkten an vielen Wochenenden im Jahr.

Auch aus fachlicher Sicht ist die Rollenverteilung klar. „Die Feuerwehr ist nicht dazu da, irgendwelche Veranstaltungen in einer Gemeinde abzusichern. Dafür gibt es Sicherheitsdienste“, stellt Andreas Küspert unmissverständlich fest.

In Murnau wird diese Haltung konsequent umgesetzt. Zwei fest installierte Poller sichern die Fußgängerzone. Bei größeren Märkten kommen zusätzlich Betonsperren und spezielle Zufahrtsperren zum Einsatz. „Allein für eine Zufahrtsperre hat die Marktgemeinde 20.000 Euro ausgegeben. Diese werden nach Bedarf auf Zufahrtstraßen aufgestellt“, so Krammer. Die Wirksamkeit ist hoch – selbst schwere Lastwagen kommen hier nicht durch. Zusammengebaut passt eine Sperre auf eine Palette und kann so eingelagert werden. Aufgebaut sind die Sperren in kürzester Zeit, ohne Werkzeug. Aufstellen, auseinanderziehen und verriegeln, schon ist die Straße versperrt.  

Dabei gehe es nicht um ständige Terror­szenarien, betont der Ordnungsamtsleiter: „Wir gehen nicht immer von Terroristen aus. Gäbe es eine konkrete Bedrohung, würde die Veranstaltung sofort abgesagt. Wir gehen eher von Menschen aus, die aus Unwissenheit oder aufgrund gesundheitlicher Probleme, wie einer eintretenden Bewusstlosigkeit hinter dem Steuer, in gesperrte Flächen fahren“.

Kreisbrandrat Küspert verdeutlicht das Dilemma, das entsteht, wenn Feuerwehren zweckentfremdet werden: „Stellen Sie sich vor, eine Feuerwehr muss einen Umzug durch den Ort absichern, zeitgleich wird ein schwerer Unfall mit einer eingeklemmten Person gemeldet. Die Feuerwehr muss sofort zum Unfallort, um Leben zu retten. Was ist aber dann mit dem Umzug?“ Diese Frage zeigt, wie schnell Prioritäten kollidieren können.

Einigkeit besteht darin, dass die Feuerwehr jederzeit für Notfälle verfügbar sein muss. Bei kommunalen Veranstaltungen liegt die Verantwortung für die Sicherheit bei der Gemeinde, inklusive der Erstellung und Umsetzung von Sicherheitskonzepten. Bei privaten oder vereinsgetragenen Veranstaltungen sind die Organisatoren in der Pflicht.

Natürlich kostet diese Lösung Geld. „Die Marktgemeinde gibt für den Sicherheitsdienst an größeren Märkten einen vierstelligen Betrag aus“, erklärt Krammer offen. Für Küspert ist das gut investiertes Geld. Sein Appell an die Bürgermeister ist eindeutig: „Die Feuerwehr ist kein Sicherheitsdienst“. Alternativ können Kommunen auch auf Mitarbeiter des Bauhofs zurückgreifen, die ebenfalls über schwere Fahrzeuge verfügen und Sperren auf- und abbauen können.

Am Ende steht eine klare Abwägung. „Die Mitglieder der Feuerwehr müssen für den Ernstfall bereit sein“, mahnt der Kreisbrandrat. Der Einsatz von Feuerwehrfahrzeugen zur Veranstaltungsabsicherung mag für Kommunen der einfachste Weg sein – der richtige ist er nicht. Denn irgendwann steht man vor der Entscheidung: Absicherung eines Umzugs oder Einsatz, bei dem jede Sekunde zählt und Menschenleben auf dem Spiel stehen. Beides gleichzeitig ist nicht leistbar. Und wenn man es dennoch versucht, wird eine Seite unweigerlich darunter leiden.

Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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