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24.01.2026

Zwischen Pflichtaufgabe und Belastungsgrenze: Feuerwehr Oberammergau braucht Zukunftsperspektive

Die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Oberammergau stand im Zeichen des Rückblicks, der Anerkennung und der Neuwahlen – doch ein Thema zog sich wie ein roter Faden durch den Abend: das Feuerwehrgerätehaus. Kommandant, Kreisbrandrat und Bürgermeister fanden deutliche Worte und machten klar, dass es dabei nicht um Komfort, sondern um Sicherheit, Wertschätzung und Zukunftsfähigkeit des Ehrenamts geht.

„Ziel wäre es, dass das neue Feuerwehrgerätehaus bis zur Passion 2030 einsatzfähig ist“, betonte Erster Bürgermeister Andreas Rödl in seiner Ansprache. Zuvor blickten Vereinsvorsitzender und Kommandant auf ein forderndes Einsatzjahr zurück. 97 Einsätze leisteten die ehrenamtlichen Feuerwehrkräfte.

Besonders die schweren Verkehrsunfälle beschäftigen die Wehr nachhaltig. Hinter jeder Zahl stehen belastende Bilder, Schicksale und Situationen, die niemand unberührt lassen. Viele Einsatzkräfte nehmen das Erlebte mit nach Hause – oft unausgesprochen. Umso wichtiger ist es, dass die Feuerwehr Oberammergau hier bewusst Verantwortung übernimmt. Mit regelmäßigen Einsatznachbesprechungen und der Unterstützung durch den Kameraden Markus Höldrich, der eine spezielle Ausbildung durchlaufen hat, wurde eine feste Struktur zur Aufarbeitung geschaffen. Die psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) unterstützt Einsatzkräfte nach außergewöhnlich belastenden Einsätzen, um seelische Folgeschäden zu vermeiden und die psychische Stabilität zu stärken.

Neben der psychischen Belastung fordern auch Technik und Infrastruktur ihren Tribut. Der 36 Jahre alte Rüstwagen „RW2“, der bei nahezu jedem Unfall im Einsatz ist, soll ersetzt werden. Rund 800.000 Euro investiert die Gemeinde dafür. „Unser RW2 ist unser Fundament in der technischen Hilfeleistung. Wir sind auf ein Nachfolgefahrzeug angewiesen“, stellte Maier klar. Gleichzeitig engagiert sich die Feuerwehr stark in der Nachwuchsarbeit: 18 Jugendliche sind aktuell in der Jugendfeuerwehr aktiv.

Feuerwehrchef Maier äußerte Unverständnis über Verkehrsmaßnahmen an der B23: „Wir wurden bis heute nicht in Kenntnis gesetzt, warum der Abbiegestreifen an der B23, Ausfahrt Süd um 20 Meter verkürzt wurde. Ich gehe davon aus, dass die Unfallhäufigkeit geringer wäre, mit einem längeren Abbiegestreifen“.

Doch das Thema, das den Einsatzkräften besonders unter den Nägeln brennt, ist das Feuerwehrgerätehaus. „Es ist egal, wo das Gerätehaus steht, Hauptsache es geht einfach mal weiter“, brachte Maier die Stimmung auf den Punkt. Bereits 1998 – kurz vor der Passion 2000 – wurden zwei Garagen als Notlösung angebaut. Eine Übergangslösung, die bis heute besteht. Schon damals erfüllte das Gebäude die Vorschriften der Gemeindeunfallversicherung nicht mehr – und tut es auch heute nicht.

Fast 30 Jahre später steht die Gemeinde vor einer grundlegenden Entscheidung. Lange war eine Sanierung des bestehenden Gerätehauses im Gespräch, Kosten von sieben bis neun Millionen Euro standen im Raum. Inzwischen wurde eine Standortanalyse beauftragt, die einen Neubau an der Eugen-Papst-Straße vorsieht – rund 500 Meter Luftlinie vom bisherigen Standort entfernt.

„Die Feuerwehr ist kein Luxus, sie dient der Sicherheit der Bevölkerung. Sie ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde“, mahnte Kreisbrandrat Andreas Küspert mit Blick auf die angespannte Finanzlage vieler Kommunen.

Bürgermeister Rödl berichtete von neuen Entwicklungen: „Wir haben mittlerweile ein neues Architektenbüro gefunden, diese werden eine Kostenschätzung vornehmen“.  Nach Recherchen von Medienpics.de muss bei einem Neubau dieser Größenordnung mit Kosten von mindestens 12 bis 17 Millionen Euro gerechnet werden – abhängig von Ausstattung und Umfang. Hinzu kommen aufwendige Pfahlgründungen zur Stabilisierung des Untergrunds. Auch andere Kommunen wie Seehausen und Murnau kämpfen seit Jahrzehnten mit ähnlichen Problemen. Die Kostensteigerungen der vergangenen Jahre sind enorm – tragen muss sie letztlich die Gemeinde, also die Steuerzahler.

Kreisbrandrat Küspert richtete deshalb einen eindringlichen Appell an den aktuellen und den künftigen Gemeinderat: „Bitte schließt an bestehende Pläne an und beginnt nicht wieder von vorn. Einfach machen! Denk pragmatisch und macht euch das Leben nicht gegenseitig schwer“.

Ob der neue Standort finanzierbar ist oder ein Umbau des bestehenden Gerätehauses letztlich günstiger ausfällt, ist derzeit offen. Damit wird sich der neue Gemeinderat nach den Wahlen im März befassen müssen. Klar ist jedoch schon jetzt: Ein modernes Feuerwehrgerätehaus ist keine freiwillige Leistung, sondern Ausdruck von Wertschätzung gegenüber den Ehrenamtlichen – und eine notwendige Investition in Sicherheit, Einsatzfähigkeit und die Zukunft der Feuerwehr Oberammergau.

Ehrungen und Neuwahlen folgen.

Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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