Mit einem überwältigenden Besucherandrang hat Florian Schwarzfischer, Bürgermeisterkandidat der Bürger Initiative Oberammergau (BIO), am Wochenende die Vorstellung seiner Initiative und seiner Person im örtlichen Wirtshaus begangen. Statt der erwarteten rund 50 Gäste kamen am Ende etwa 130 Interessierte. Selbst vor der Tür verfolgten Besucher stehend das Programm von Schwarzfischer und seinem Team.
„Es geht hier nicht um eine Person oder Funktion, es geht um das gesamte Team“, betonte Schwarzfischer gleich zu Beginn im völlig überfüllten Saal. Der Andrang war so groß, dass die Wirtsleute den zweiten Saal öffneten und die Trennwände aufgeschoben, damit weitere Gäste teilnehmen konnten. „Ich bin voller Freude, dass so viele gekommen sind“, zeigte sich Schwarzfischer sichtlich stolz.
Bevor er auf seine Arbeit der vergangenen Jahre im Gemeinderat einging, sprach Schwarzfischer offen über die seine Liste BIO. „Anfangs habe ich gezweifelt, ob es mit BIO überhaupt weitergeht. Es stand auf dem Spiel, ob wir die Liste mit Kandidaten vollbekommen. Doch die Resonanz war so groß, dass wir jetzt ein Team zusammenhaben, welches für den Ort anpacken will“, sagte er.
Schwarzfischer stellte auch klar, dass sich die BIO-Liste nicht auf einen schmutzigen Wahlkampf einlassen werde. Damit spielte er auf im Internet kursierende Behauptungen anderer Parteien an, ging darauf jedoch nicht weiter ein und setzte die Vorstellung der BIO-Liste fort. „Ich trete an, um Oberammergau voranzubringen“, erklärte er und machte deutlich, dass er das Bürgermeisteramt nicht als Sprungbrett, sondern als Aufgabe verstehe. Beweisen müsse er sich nichts, er steht fest im Leben und Beruf.
Seit zwölf Jahren sitzt Schwarzfischer im Gemeinderat. „In dieser Zeit ist dort nicht alles richtig gelaufen“, sagte er rückblickend. Dabei nannte er unter anderem das Gewerbegebiet an der Lok, den Abriss des Rathauses, die Passionsfinanzen, die Stilllegung des Wellenbergs sowie die Rialtobrücke und erhob in diesen Punkten deutliche Vorwürfe.
Besonders der Wellenberg beschäftigt Schwarzfischer seit Jahren. „CSU, Mit Augenmaß und die Bunte Liste haben für die Schließung gestimmt“, erklärte er nüchtern. Zwar habe die Kommune damals viel Geld investiert, um das Schwimmbad technisch zukunftsfähig zu machen, „jetzt haben wir eine Bauruine, da vieles an Technik an andere Bäder verkauft wurde“. Kritik übte er an der CSU: „Die CSU verdreht hier leider immer wieder Tatsachen. Man sollte auch das Kleingedruckte zum Thema Schwimmbad auf ihren Flyern lesen.“
Auch der geplante Neubau des Feuerwehrhauses sei ein zentrales Thema. „Man geht momentan von rund neun Millionen Euro aus. 250.000 Euro flossen bereits jetzt in Planungen“, so Schwarzfischer, der betonte, dass die Ehrenamtlichen bei jeglichen Planungen unbedingt mitgenommen werden müssten.
Die Wohnungsnot in Oberammergau habe die BIO ebenfalls im Blick und arbeitet an Lösungen. Dabei sprach sich Schwarzfischer deutlich für mehr Fachwissen im Gemeinderat aus: „Wir brauchen Experten und Fachkräfte, die uns unterstützen im Gemeinderat. Ich will jetzt niemandem im Gemeinderat zu nahetreten, aber die Schlausten sind es nicht. Ich kenne mich auch nur im Forst und Wald aus, für alles andere hole ich mir Expertenmeinungen. Auch ich lerne täglich dazu.“ Damit spielte er aus seiner Sicht auf zu schnell gefassten Beschlüssen an, deren Tragweite oft nicht vollständig bedacht werde.
Immer wieder erhielt Schwarzfischer gemeinsam mit seinem Team, das mit einer Reihe fachlicher Experten besetzt ist, Applaus aus allen Altersstrukturen des Publikums. Angesprochen wurden auch der steigende Leerstand von Gewerbeimmobilien im Ort, die zunehmende Politikverdrossenheit sowie sinkende Übernachtungszahlen. Das Nachtleben im Passionsdorf sei nahezu ausgestorben. Lob fand Schwarzfischer hingegen für die Verwaltung: „Dort haben wir auch Profis, die ihr Handwerk verstehen.“
Großen Handlungsbedarf sieht er dagegen bei den Themen Finanzen, Marketing, Infrastruktur, Tourismus, Ortsplanung sowie bei den Ammergauer Alpen. Oberammergau investiere jährlich rund 600.000 bis 700.000 Euro in die Ammergauer Alpen, halte jedoch nur 49 Prozent der Anteile. „49 Prozent Anteile sind dafür zu wenig“, erklärte Schwarzfischer. Künftig sollen Fachgruppen Entscheidungsgrundlagen für den Gemeinderat erarbeiten. „Im Ort haben wir so viele kluge Köpfe, wir müssen das Wissen bündeln und einbringen.“
Oliver Gerhard, BIO-Kandidat für den Gemeinderat und von Beruf Betriebsprüfer, zeichnete ein düsteres Bild der kommunalen Finanzlage. Große Investitionen seien kaum möglich, auch die Umsetzung der Passion 2030 werde ohne Kredit schwer realisierbar sein. Doch getilgt werden muss dieser aber auch, dass nach Angaben des Finanzexperten äußert schwer werden wird. „Oberammergau gibt zu viel Geld aus. Die laufenden Kosten im Bereich Kultur sind hoch. Wir müssen in Zukunft feste Budgets vergeben“, so Gerhard.
Schwarzfischer ergänzte: „Der Ort lebt in Sachen Übernachtungen von der NATO-Schule und den Kliniken.“ Das Thema Wellenberg kam erneut zur Sprache. „Ich kann kein Luftschloss bauen. Wir wissen nicht einmal, was alles demontiert und verkauft wurde und ob ein Betrieb wieder möglich wäre. Unsere Anfrage bei der Kommune blieb bis jetzt unbeantwortet“, kritisierte er. Auch der hohe Unterhalt der kommunalen Gebäude belaste die Finanzen stark – ein Punkt, den Gerhard in seiner Darstellung ebenfalls aufgriff.
Für die Zukunft setzt Schwarzfischer auf ein fraktionsübergreifendes Arbeiten im Gemeinderat. Entscheidungen sollen erst nach gründlicher Recherche und Analyse getroffen werden. „Es geht nicht um Gruppen, es geht um uns alle“, sagte der Bürgermeisterkandidat zum Abschluss.
Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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