Nach mehr als sechs Jahrzehnten schließt das traditionsreiche Möbelhaus JMJ Möbel seine Türen. Was 1965 mit einem einzigen Gebäude in der Seehauser Straße begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem weithin bekannten Möbel- und Küchenhaus mit rund 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Nun geben die Inhaber Sibylle und Wolfgang Mayr ihr Geschäft auf.
Im Gemeinderat Seehausen wurde kürzlich die geplante Umnutzung des Areals beraten. Vorgesehen ist die Sanierung, der Umbau und die Umnutzung zu 20 Wohneinheiten. Der eingereichte Bauantrag wurde jedoch abgelehnt. Zwar wird Wohnraum dringend benötigt, doch die Gemeinderäte konnten dem Antrag nicht zustimmen. Das Grundstück liegt in einem Mischgebiet, in dem sowohl Gewerbe als auch Wohnungen zulässig sind. Eine reine Wohnnutzung entspreche jedoch nicht den Vorgaben. Aus der Sitzung war zu entnehmen: „Wir benötigten Gewerbe, dies bringe uns auch die Gewerbesteuer. Das Mischgebiet gibt das so vor. Vorstellen können wir uns, dass im Erdgeschoss Gewerbeflächen vorgehalten werden und darüber Wohnungen entstehen. Dies wird im Antrag aber nicht berücksichtigt.“
Für die Familie Mayr bedeutet die Schließung das Ende eines Lebenswerks. „Jetzt sind wir noch in dem Alter, in dem man was neu ausrichten kann, in zehn Jahren geht das nicht mehr“, sagte Wolfgang Mayr. Der Möbelmarkt habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Große Möbelkonzerne aus dem In- und Ausland sowie der Onlinehandel setzten kleinen, inhabergeführten Betrieben zunehmend zu. Dabei war JMJ Möbel stets für hohe Qualitätsansprüche bei Möbeln und Küchen bekannt. „Oft kommen Kunden zu uns, um sich beraten zu lassen und um sich alles anzusehen. Es kommt vor, dass Fotos von den Möbeln gemacht werden und mit unseren Informationen dann die Ware im Internet bestellt werden“, erklärte Mayr.
Sibylle und Wolfgang Mayr übernahmen das Unternehmen im Jahr 2020 von den Eltern. Ursprünglich war der Betrieb aus einer aufgegebenen Landwirtschaft entstanden. „Ein Nachfolger war nicht in Sicht, deshalb haben wir uns Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll“, so Mayr. Die Idee des Wohnungsumbaus bleibt für die Familie dennoch zentral. „Ich habe jetzt schon Zusagen für fast alle Wohnungen, die wir planen. Daran sieht man, wie hoch die Not ist. Es werden keine Luxus-Wohnungen, es sollen ganz normale Wohnungen für jedermann werden“, berichtete Wolfgang Mayr. Trotz der jüngsten Ablehnung blickt er zuversichtlich auf die weiteren Planungen.
Eine konkrete Frist für die endgültige Schließung setzt sich die Familie nicht. „Schluss ist, wenn alles abverkauft ist.“ Ab dem 12. Februar werden die Preise um bis zu 57 Prozent reduziert, auch neue Bestellungen fallen unter die Rabattaktion. „Die Zeit für solche kleinen Unternehmen in dieser Branche sind schwer geworden“, sagte Mayr und setzt große Hoffnungen auf den geplanten Umbau. Trotz Wehmut über den Abschied von 61 Jahren JMJ Möbel sagen Sibylle und Wolfgang Mayr: „Wir freuen uns auf die Zukunft.“
Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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