Punkt 14 Uhr setzte sich der Gaudiwurm in Saulgrub in Bewegung – ein Höhepunkt im Fasching, den es hier nur alle zwei Jahre gibt. Und wenn er kommt, dann richtig: Rund 1200 Zuschauer säumten die Straßen, um das bunte Spektakel zu verfolgen. 14 Themenwägen, sechs Fußgruppen, jede Menge gute Laune – und ein Thema, das allen unter den Nägeln brennt.
Denn während andernorts Wahlplakate um Aufmerksamkeit buhlen, war in Saulgrub klar: Der Kampf ums Rathaus kann warten. Der wahre Aufreger ist ein anderer. Das große Thema dieses Gaudiwurms lautete: Wirtshaussterben.
Saulgrub hat derzeit keine Wirtschaft. Wer einkehren will, muss in den Nachbarort ausweichen – etwa in den Altenauer Dorfwirt. Altenau hat eine Gaststätte, Saulgrub dafür in naher Zukunft vielleicht einen Bürgermeister oder sogar eine Bürgermeisterin? Den Bürgern scheint das herzlich egal zu sein. Hauptsache, es gibt wieder ein Wirtshaus im Ort.
Gleich mehrere Wägen griffen das Thema auf, sorgten für viel Aufsehen – und noch mehr Zuspruch. So manch einer würde ja sogar den Bürgermeister gegen den Dorfwirt aus Altenau tauschen. Eine klare Prioritätensetzung, bayerisch-pragmatisch eben.
Besonders kreativ zeigte sich die kleine mobile Après-Ski-Bar, die Teil des Gaudiwurms war und kurzerhand die Versorgungslücke schloss. Auf dem Wagen stand geschrieben: „In Saigra gibt’s koa Gasthaus mehr, drum muas a Après-Ski Bar her!“
Der Gaudiwurm schlängelte sich ausgelassen durch den Ort – stoppen konnte ihn nur die Bahn. Die Ampel sprang auf Rot, die Schranken senkten sich, die Regionalbahn hatte Vorfahrt. Und diesmal sogar pünktlich - Ein seltenes Schauspiel.
Doch Stillstand bedeutet im Fasching bekanntlich nur eines: Zeit zum Nachschenken. Die mobile Après-Ski-Bar verköstigte die Wartenden, während Kinder von anderen Wägen mit Süßigkeiten beworfen wurden und Erwachsene ab und an ein hochprozentiges Gläschen gereicht bekamen. Die Stimmung war ausgelassen, es wurde gefeiert und gelacht.
Ganz ohne Politik ging es dann doch nicht. Ein Wagen parodierte vermutlich die Kandidaten um das Saulgruber Bürgermeisteramt. Alles war pink – der Wagen, die Kleidung, die Perücken. Auf dem Gefährt stand der Schriftzug: „Die Gmoa wird Pink.“ Dazu gab es Tanzeinlagen und Prosecco.
Nach eineinhalb Stunden erreichte der letzte Wagen den Bürgersaal. Vereine aus dem Ortsgebiet und darüber hinaus zeigten eindrucksvoll, was machbar ist, wenn man zusammenhält. Der Gaudiwurm war damit nicht nur ein Faschingsumzug, sondern auch eine Liebeserklärung an ein Wirtshaus.
Und so bleibt die Erkenntnis dieses Nachmittags: Wahlen kommen und gehen. Bürgermeister auch. Aber ein Wirtshaus – das ist mehr als nur ein Gebäude. Es ist für viele Wohnzimmer, Stammtisch und Diskussionsforum zugleich.
Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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