Bei Ohlstadt steht ein markanter Eingriff in Natur und Landschaft bevor: Der Mühlweiher am Mühlbach bei Schwaiganger wird verschwinden. Grund ist der Abriss der alten Säge unterhalb der Autobahnbrücke, direkt neben der Staatsstraße 2062. Eigentümer des Gebäudes ist der Freistaat Bayern – und der hat sich nun entschieden, das einsturzgefährdete Bauwerk abzureißen.Teile des Sägewerks sind bereits eingestürzt, das Gebäude gilt als baufällig. Aus Sicherheitsgründen ist der Rückbau unausweichlich. Doch die Maßnahme hat Folgen, die weit über das marode Gebäude hinausreichen.Im Vorfeld der Arbeiten wurde rund um die Säge bis hin zur Straße gerodet. Mit dem Abriss selbst werden auch die Dämme entfernt, die bislang den Mühlweiher aufstauten. Damit verliert das Gewässer seine Grundlage: Der Weiher wird nicht länger gestaut, sondern abgelassen.Stephan Scharf vom Landratsamt erläutert die Zusammenhänge: „Der Abriss der alten Säge hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Weiher und den Bach. Allerdings wird im Zuge der Baumaßnahmen auch der Bach auf kurzer Strecke verlegt und die vorhandene baufällige Stauanlage rückgebaut, wodurch der bislang aufgestaute Mühlweiher nicht erhalten werden kann.“ Durch den Rückbau der Stauanlage wandelt sich das Gewässer grundlegend – vom Stillgewässer zum Fließgewässer. Aus dem Mühlweiher wird wieder ein kleiner Bach.Das Areal ist nicht irgendein Fleck Natur. Es handelt sich um ein gesetzlich geschütztes Biotop im Natura-2000-Gebiet „Murnauer Moos“. Über Jahre hinweg haben sich zahlreiche Tierarten hier angesiedelt und den Weiher als Lebensraum genutzt.Der Höckerschwan brütet im Gebiet. Entlang des Bachlaufs sind Wasseramsel und Gebirgsstelze heimisch. Auch Schildkröten wurden von Spaziergängern beobachtet – dabei handelt es sich jedoch um ausgesetzte Terrarientiere, die sich an die Bedingungen angepasst haben.„Bestehende naturschutzrechtliche Vorgaben, unter anderem zum Biotopschutz, müssen allerdings in jedem Fall beachtet werden“, stellt Stephan Scharf, Pressesprecher des Landratsamtes, klar. Und er betont: „Das Gebiet rund um die Säge ist schon immer ein geschütztes Biotop.“Mit der Umwandlung vom Still- zum Fließgewässer verändern sich die Lebensbedingungen erheblich. Für Fische und bestimmte Vogelarten kann ein frei fließender Bach Vorteile bringen. Andere Tierarten hingegen verlieren mit dem Weiher ihre bisherige Kinderstube oder müssen sich neue Rückzugsorte suchen.Alle Vogelarten in dem Gebiet unterliegen einem Schutzstatus. Der Freistaat Bayern kündigt an, beim Abriss des alten Sägewerks die geltende Gesetzeslage einzuhalten.Fest steht: Mit dem Verschwinden der alten Säge endet nicht nur ein Stück Geschichte am Mühlbach. Auch das Landschaftsbild und die ökologische Struktur des Gebiets bei Schwaiganger werden sich dauerhaft verändern.
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