Der geplante Rückbau des Mühlbachweihers unter der Brücke der A95 – auf Höhe der Deponie Schwaiganer an der Staatsstraße 2062 – sorgt weiterhin für Diskussionen. Im Zuge des Abrisses des alten Sägewerks soll auch die dazugehörige Stauanlage entfernt werden. Naturschützer und Fachleute äußern jedoch Bedenken und plädieren zumindest für eine genauere Prüfung der ökologischen Folgen.
Das Grundstück sowie das inzwischen stark verfallene Sägewerk gehören dem Freistaat Bayern. Das Gebäude gilt als einsturzgefährdet und muss aus Sicherheitsgründen abgerissen werden. Eine Rettung der Anlage ist nach Einschätzung der Behörden nicht mehr möglich.
„Beim Rückbau des alten Sägewerks und der Stauanlage sind sämtliche gesetzlichen Vorgaben strikt einzuhalten“, betont Diplombiologin Ingrid Geiersberger vom Bund Naturschutz in Murnau. Aus naturschutzfachlicher Sicht wäre ihr jedoch eine andere Lösung lieber: „Der Erhalt des Weihers wäre mir am liebsten.“
In die Debatte hat sich nun auch der Tierarzt Dr. Reinhard Stampfer aus Seehausen eingeschaltet. Der Schildkrötenexperte betreibt trotz seines Ruhestands weiterhin ein eigenes Labor und verfolgt die Entwicklungen rund um mögliche Vorkommen der Europäischen Sumpfschildkröte genau.
Stampfer widerspricht der Annahme des Landratsamts, bei den im Bereich des Weihers beobachteten Tieren könne es sich lediglich um ausgesetzte Terrarientiere handeln. Seiner Einschätzung nach könnte es auch die seltene Europäische Sumpfschildkröte sein.
Für den Fachmann steht zumindest fest, dass die geschützte Art im Umfeld vorkommt. „Die Sumpfschildkröte ist im Murnauer Moos vorhanden. Landwirte haben mir über Sichtungen immer wieder erzählt.“
Ob der Mühlbachweiher tatsächlich Lebensraum für Schildkröten bietet, ist bislang jedoch nicht untersucht worden. Nach Angaben des Landratsamtes hat die untere Naturschutzbehörde hierzu keine eigenen Erhebungen durchgeführt.
Auf Anfrage teilte die Behörde mit: „Es gibt zwar aus dem Jahr 1986 einen einzelnen Nachweis der Europäischen Sumpfschildkröte aus dem Murnauer Moos. Nach aktuellem Kenntnisstand der bayerischen Naturschutzbehörden muss allerdings davon ausgegangen werden, dass es in ganz Bayern kein gesichert einheimisches Vorkommen dieser Art gibt. Vielmehr handelt es sich bei etwaigen Beobachtungen von Europäischen Sumpfschildkröten um ungenehmigt ausgesetzte Tiere aus unterschiedlichen Herkünften.“
Stefan Scharf, Pressesprecher des Landratsamtes, ergänzt: „Die Art ist grundsätzlich nach der europäischen FFH-Richtlinie geschützt, naturschutzfachlich ist aber nur ein Schutz innerhalb des ursprünglichen Verbreitungsgebietes sinnvoll.“ Zudem gilt die Europäische Sumpfschildkröte in Deutschland als vom Aussterben bedroht.
Dass das mögliche Vorkommen bislang nicht näher untersucht wurde, kritisiert Stampfer deutlich. „Hier ist noch nie geprüft worden, ob es ausgesetzte Tiere sind oder ob es sich hier wirklich um die Sumpfschildkröte handelt“, sagt der Tierarzt.
Unabhängig von der Frage nach der Schildkrötenart steht für Fachleute fest, dass ein Rückbau der Stauanlage ökologische Veränderungen mit sich bringen wird. Einige Tierarten würden ihren Lebensraum verlieren, während andere von einem frei fließenden Gewässer profitieren könnten.
Das Landratsamt weist in diesem Zusammenhang grundsätzlich auf die Probleme durch ausgesetzte Tiere hin. „Ganz allgemein ist das ungenehmigte Aussetzen von Tier- und Pflanzenarten aus Naturschutzsicht problematisch, weil hierdurch die natürlichen Verbreitungsgebiete der jeweiligen Arten verfälscht werden“, erklärt Scharf. „Ausgesetzte Arten treten außerdem in Konkurrenz zur ursprünglich heimischen Tier- und Pflanzenwelt und können diese verdrängen.“
Eine mögliche Alternative für die beobachteten Schildkröten sieht die Behörde in anderen Gewässerabschnitten. „Denkbar ist allerdings, dass sich die Schildkröten in den vom Biber angestauten Bachabschnitten knapp oberhalb des Mühlweihers halten könnten.“ Dieser Lebensraum würde auch nach dem Rückbau des Stauwehrs erhalten bleiben. Ob und welche Art sich im Mühlbachweiher aufhält, dies kann nur durch eine Untersuchung festgestellt werden.
Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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