Ein verheerender Großbrand hat am Samstagnachmittag den Ortskern von Eschenlohe erschüttert. Kurz vor 17 Uhr stand ein landwirtschaftliches Anwesen unmittelbar neben der Kirche in Vollbrand. Die Rauchsäule war bereits aus großer Entfernung sichtbar. Trotz des massiven Feuers gelang es den Einsatzkräften, den vorderen Wohntrakt des Gebäudes zu retten. Die Tenne, die Stallungen sowie eine Wohnung im hinteren Gebäudeteil wurden hingegen vollständig zerstört.
Für die Feuerwehr entwickelte sich der Einsatz schnell zu einer doppelten Herausforderung: Neben den Flammen kämpften die rund 300 Einsatzkräfte gegen die extreme Sommerhitze. Bei Außentemperaturen von etwa 35 Grad Celsius stiegen die Temperaturen unter der schweren Schutzkleidung auf weit über 40 Grad. Jeder Atemzug, jede Bewegung und jeder Löschangriff bedeuteten enorme körperliche Höchstleistungen.
„Die Hitze setzt den Einsatzkräften sehr zu. Diese schwitzen enorm und verlieren dadurch viel Flüssigkeit. Das kann zu Erschöpfungszuständen der Feuerwehrler führen“, erklärte Maximilian Stephan, BRK-Einsatzleiter Rettungsdienst.
Um die Gesundheit der Feuerwehrleute nicht zu gefährden, mussten die Trupps in Abständen ausgetauscht werden. Viele Einsatzkräfte kämpften mit Kreislaufproblemen und Erschöpfung. Die Versorgung mit ausreichend Trinkwasser wurde deshalb zu einem entscheidenden Faktor für den Einsatzerfolg. Immer wieder wurden Getränke an die Einsatzstellen gebracht, damit die Feuerwehrleute ihren Flüssigkeitsverlust ausgleichen konnten. Teilweise kühlten sie sich das Wasser direkt über Kopf und Nacken oder nutzten sogar das Wasser aus den Löschleitungen, um sich zumindest kurzfristig etwas Erleichterung zu verschaffen.
Der Einsatz machte eindrucksvoll deutlich, wie wichtig eine funktionierende Logistik bei Großschadenslagen ist. Wasser wurde nicht nur zur Brandbekämpfung benötigt, sondern auch zur Versorgung und Kühlung der Einsatzkräfte. Ohne eine kontinuierliche Versorgung wären Einsätze dieser Größenordnung bei solchen Temperaturen kaum über einen längeren Zeitraum durchführbar.
„Das Wichtigste hier ist, viel zu trinken, sodass dem Körper Flüssigkeit zugeführt wird“, so Stephan, der mit seinen Rettungsdienst-Einheiten die Helfer absicherte.
Nach ersten Informationen waren zwölf Feuerwehren, das THW, BRK-Einheiten aus dem Ehrenamt, sowie ein Großaufgebot des Rettungsdienstes im Einsatz. Gegen 19 Uhr hatte das Bayerische Rote Kreuz bereits sechs Patienten versorgt. Dabei handelte es sich unter anderem um Schnittverletzungen, Verstauchungen und Schockzustände. Vier davon waren Einsatzkräfte, die in ein Krankenhaus gebracht werden mussten.
Erschwert wurde die Lage zusätzlich dadurch, dass die Feuerwehr Eschenlohe zum Zeitpunkt der Alarmierung noch bei einem Einsatz am Berg „Hohe Kiste“ gebunden war. Deshalb wurden sofort zahlreiche umliegende Feuerwehren nachalarmiert.
„Wir waren seit dem Vormittag mit einem Brand auf der ‚Hohen Kiste‘ beschäftigt. Als wir diesen Einsatz abgearbeitet hatten, eilten wir zu dem Großbrand“, weiß Erster Kommandant Franz Steffl zu berichten.
Trotz der schwierigen Bedingungen gelang es den Einsatzkräften, ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäude zu verhindern. Damit konnte ein noch größerer Schaden im dicht bebauten Ortskern verhindert werden.
„Durch das schnelle Eingreifen unserer Nachbarwehren konnte das Wohnhaus im vorderen Teil gerettet werden. Auch ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude wurde verhindert“, sagte Steffl.
„Die Brandursache ist derzeit noch unklar. Brandfahnder der Kriminalpolizei haben die Ermittlungen aufgenommen“, teilte Daniel Katz, Pressesprecher der Polizei, Pressestelle Oberbayern Süd, mit. Der Schaden soll sich im hohen sechsstelligen Bereich befinden. Fest steht jedoch, dass die Tenne, die Stallungen sowie eine Wohnung im hinteren Gebäudeteil nicht mehr zu retten waren. Weiter wurde bestätigt, dass ein Rind bei dem Brand ums Leben kam.
Aufgrund der großen Einsatzlage musste auch die Bahnstrecke zwischen Garmisch-Partenkirchen und Murnau gesperrt werden. Für die Wochenendausflügler endete die Rückreise an den Bahnhöfen. Dort kam es zu großen Menschenansammlungen.
Der Einsatz zeigte eindrucksvoll, wie belastend Großbrände bei extremer Sommerhitze für Feuerwehr, Rettungsdienst und alle Helfer sind. Gleichzeitig bewiesen die zahlreichen Einsatzkräfte, unterstützt von Nachbarn und der Bevölkerung, großen Zusammenhalt und verhinderten mit ihrem unermüdlichen Einsatz eine noch größere Katastrophe.
Im OTon: Einsatzleiter Feuerwehr Franz Steffl, Einsatzleiter Rettungsdienst Maximilian Stephan.
Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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