Wenn bei Wald- und Flächenbränden jede Minute zählt, kann moderne Technik entscheidende Vorteile bringen. Neben Löschhubschraubern der Polizei oder privater Unternehmen könnte künftig auch die Lastendrohne eine immer wichtigere Rolle bei der Brandbekämpfung übernehmen. Das zeigte jetzt eine gemeinsame Übung der Freiwilligen Feuerwehr Oberammergau mit dem Oberammergauer Drohnenspezialisten Dominik Rödel.
Rödel hat sich auf den Transport schwerer Lasten mit Drohnen spezialisiert. Seine Logistikdrohne kann derzeit bis zu 100 Kilogramm Nutzlast befördern und soll Einsatzkräfte insbesondere in schwer zugänglichem Gelände unterstützen. Wie wertvoll diese Technik sein kann, zeigte sich bereits vor wenigen Wochen bei einem Flächenbrand bei Eschenlohe. Dort wurde Rödel von der Feuerwehr angefordert, um Material an den Einsatzort am Berg zu transportieren.
Gerade bei Bränden in steilem oder unwegsamem Gelände benötigen die Einsatzkräfte innerhalb kürzester Zeit große Mengen an Ausrüstung. Während Schläuche, Löschrucksäcke, Pumpen oder Wasserbehälter früher mühsam von Hand den Berg hinaufgetragen werden mussten, übernimmt diese Aufgabe heute die Lastendrohne.
„Mit der Lastendrohne können wir den Großteil der Einsatzmittel für die Brandbekämpfung hinauffliegen. Das Gewicht muss passen. Löschrucksäcke, Schläuche, Motorsägen, Feuerpatschen, Getränke und kleine Pumpen sowie Faltbehälter für das Löschwasser kann ich transportieren“, berichtet Dominik Rödel.
Bei der Übung oberhalb des Wellenbads in Oberammergau trainierten Feuerwehr und Drohnenpiloten das Zusammenspiel. Rödel, der selbst aktives Mitglied der Feuerwehr ist, kennt die bisherigen Abläufe aus eigener Erfahrung. Früher musste für den Materialtransport häufig ein Hubschrauber angefordert werden.
Heute ist der Löschhubschrauber nach wie vor die größte Unterstützung aus der Luft, da dieser hunderte Liter Löschwasser auf einmal abwerfen kann - „Bis er jedoch am Einsatzort eintrifft, kann mit der Lastendrohne bereits der Transport der Ausrüstung beginnen. Kleinere Brände lassen sich so sogar ohne Hubschrauber bekämpfen“, erklärt Rödel.
Während der Übung wurde am Hang eine rund 400 Meter lange Schlauchleitung aufgebaut. Im Tal befüllten die Einsatzkräfte sogenannte „Big Bags“ – große Lastensäcke – mit Schläuchen, Löschrucksäcken, Pumpen und weiterer Ausrüstung. Die Lastendrohne transportierte die Ausrüstung innerhalb weniger Minuten zum simulierten Einsatzort am Berg.
Dort übernahm ein weiterer Drohnenpilot die Steuerung. Während Rödel die Drohne vom Tal aus anflog, wechselte die Kontrolle kurz vor dem Ziel an den Piloten auf dem Berg. Dieser setzte die Last zentimetergenau an der vorgesehenen Stelle ab. Anschließend kehrte die Drohne unmittelbar ins Tal zurück, um die nächste Lieferung aufzunehmen.
Für die Feuerwehr bedeutet diese Technik vor allem einen erheblichen Zeitgewinn. Gerade bei Wald- und Vegetationsbränden entscheidet ein schneller Materialnachschub oft darüber, wie rasch ein Feuer unter Kontrolle gebracht werden kann.
„Ich gehe davon aus, dass es in Deutschland bald Lastendrohnen mit bis zu 200 Kilogramm Zuladung geben wird“, sagt Rödel zuversichtlich.
Der Einsatz solcher Drohnen setzt allerdings umfangreiche Fachkenntnisse voraus. Da sie im sogenannten bemannten Luftraum unterwegs sind, benötigen die Piloten eine spezielle Ausbildung und entsprechende Fluglizenzen. Rödel und sein Team verfügen über diese Qualifikationen und haben sich mit ihrem Unternehmen auf den Transport schwerer Lasten spezialisiert. Neben Feuerwehren unterstützt Rödel unter anderem Betriebe aus der Forstwirtschaft, der Energiewirtschaft sowie weitere Einsatz- und Wirtschaftsbereiche.
Die gemeinsame Übung machte deutlich, welches Potenzial die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehren und Drohnenlogistik künftig bieten kann. Moderne Lastendrohnen ersetzen zwar keinen Löschhubschrauber, sie schließen jedoch eine entscheidende Lücke in der ersten Einsatzphase – und können so helfen, Brände schneller und effizienter zu bekämpfen.
Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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