Steigende Kosten, kurzfristige Ticketkäufe und der Wandel der Festivalbranche stellen die Organisatoren des Heimatsound Festivals vor neue Herausforderungen. Dennoch soll das Kultfestival im Passionstheater Oberammergau auch künftig fester Bestandteil des Kultursommers bleiben. Bereits wenige Tage nach dem Ende der elften Ausgabe laufen die Vorbereitungen für das kommende Jahr.
Die letzten Besucher haben das Passionstheater verlassen, die Campingplätze rund um das Festivalgelände leeren sich und die Bühnen werden bereits wieder abgebaut. Für Frederik Mayet bedeutet das jedoch keineswegs das Ende des Heimatsound Festivals. Im Gegenteil: Kaum ist die elfte Ausgabe abgeschlossen, beginnen bereits die Planungen für das kommende Jahr.
„Wenn das Heimatsound Festival zu Ende geht, beginnen kurz danach schon die Planungen für das Folgejahr“, berichtet der Organisator. Bereits im August werde der Termin für das nächste Festival festgelegt, damit möglichst früh mit der Verpflichtung der Künstler begonnen werden könne.
Längst hat sich das Heimatsound Festival weit über die Grenzen des Landkreises hinaus einen Namen gemacht. Jahr für Jahr strömen tausende Besucher nach Oberammergau. Das Passionstheater ist bestens gefüllt, ebenso die Campingflächen mit Zelten, Wohnmobilen und Pavillons. Auch Hotels, Gaststätten und der Einzelhandel profitieren vom Besucherandrang.
Dennoch steht die Festivalbranche vor großen Herausforderungen. Steigende Kosten, ein verändertes Freizeitverhalten und der wirtschaftliche Druck machen auch vor dem Heimatsound Festival nicht Halt. Erst kürzlich wurde bekannt, dass das Festival „Brass Wiesn“ bei Eching künftig in kleinerem Rahmen stattfinden soll.
„Wir versuchen alles, um das zu halten, was wir haben. Die Kosten steigen natürlich immer weiter. Noch können wir die Ticketpreise stabil halten – und das ist auch weiterhin unser Ziel“, erklärt Mayet. Vor allem die Preise für Ton- und Lichttechnik seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Gemeinsam mit Walter Rutz und Till Hofmann verantwortet Mayet die Organisation des Festivals. Ein Schwerpunkt ist dabei die Auswahl der Künstler.
„Für jede Band steht ein Budget fest. Danach müssen wir uns richten und schauen, welche Künstler in diesem Preisrahmen verfügbar sind“, sagt Mayet. Insgesamt müssen jedes Jahr 14 Bands verpflichtet werden. Während manche Zusagen schnell erfolgen, ziehen sich Vertragsverhandlungen mit professionellen Managements oftmals über Monate hin.
„Unser Ziel ist es nicht nur, bekannte Bands auftreten zu lassen. Wir möchten vor allem jungen Künstlern eine Bühne bieten und ihnen eine Festivalplattform geben“, betont Mayet.
Ein Beispiel dafür ist die niederländische Band The Magic Mumble Jumble. Sie trat bereits beim ersten Heimatsound Festival auf – damals nahezu unbekannt. Elf Jahre später kehrte sie als etablierte Festivalband nach Oberammergau zurück. Zu den Höhepunkten der diesjährigen Ausgabe gehörte auch der Auftritt des „Loisach Marci“, der traditionelle Alphornklänge mit modernen Technobeats verbindet. Die Band „The Magic Mumble Jumble“ sorgte für grandiose Stimmung und füllte das Passionstheater. Am Samstag heizte „DIS M“ mit einer Mischung aus Mundart-Reggae, Mundart-Pop und bayerischem Songwriting dem Publikum ordentlich ein und sorgte für beste Festivalstimmung. Die beiden weiteren Hauptacts „Bruckner“ sowie „Lenze & de Buam“ ließen das Passionstheater regelrecht beben und sorgten mit ihrer energiegeladenen Performance für einen mitreißenden Festivalabschluss. Bei der Zugabe sorgten die Bruckner-Brüder für einen besonderen Gänsehautmoment: Drei Stücke spielten sie unplugged mitten im Publikum, begleitet von drei Streichern. Die Zuschauer nahmen auf dem Boden Platz, Stille kehrte ein. Nur die Musiker wurden sanft ins Licht gesetzt.
„Ich habe mir schon immer gewünscht, einmal auf der Bühne des Heimatsound Festivals in Oberammergau spielen zu dürfen. Jetzt ist dieser Wunsch Wirklichkeit geworden“, sagte Loisach Marci (Marcel Engler) vor seinem Auftritt.
Möglich wird das Festival nur durch das Engagement von rund 180 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Hinzu kommen Sponsoren, ohne die eine Veranstaltung dieser Größenordnung kaum realisierbar wäre. „Gerade die Energie Südbayern, Augustiner und die Firma Hornung greifen uns tatkräftig unter die Arme. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken“, sagt Mayet.
Für den Organisator bedeutet die Festivalzeit auch persönlich eine intensive Phase. Der verheiratete Vater von drei Kindern verbringt während des Kultursommers zahlreiche Stunden im Passionstheater.
„Ich bin in dieser Zeit oft nicht zu Hause. Wenn ich im Theater bin, kommt mich meine Familie dort besuchen. Die Proben und Auftritte dauern häufig bis spät in die Nacht“, erzählt Mayet. Erst nach dem Festival nehme sich die Familie bewusst Zeit für einen gemeinsamen Urlaub.
Auch kuriose Erlebnisse gehören für ihn zum Festivalalltag. So habe sich einmal eine Band kurzfristig einen Schokobrunnen mit frischen Früchten im Backstagebereich gewünscht. „Das konnten wir dann leider nicht mehr organisieren“, sagt Mayet mit einem Schmunzeln.
Verändert habe sich in den vergangenen Jahren vor allem das Kaufverhalten der Besucher. „Die Karten werden heute deutlich kurzfristiger gekauft als früher. Ich glaube, viele Menschen – gerade junge Leute – entscheiden heute erst wenige Tage vorher, was sie am Wochenende unternehmen möchten“, beobachtet der Organisator. Für die Organisatoren ist der frühzeitige Ticketverkauf von großer Bedeutung. Nur so entsteht die notwendige Planungssicherheit. „Bei vielen Veranstaltungen gilt: Wird bis zu einem bestimmten Stichtag keine festgelegte Anzahl an Tickets verkauft, muss die Veranstaltung abgesagt werden. Wir gehen dieses Risiko ein und hoffen, dass sich der Mut auszahlt“, erklären die Veranstalter. Noch am Samstagabend konnte Walter Rutz die Verkaufszahlen auswerten. Die Erleichterung war groß: „Das Festival-Wochenende war so gut wie ausverkauft.“
Den Blick richtet das Organisationsteam deshalb bereits weit in die Zukunft. „Die Infrastruktur am Passionstheater ist hervorragend. Daran wird es nicht scheitern. Trotzdem müssen wir uns fragen, wo das Festival in den nächsten Jahren stehen wird und wie wir seine Zukunft sichern können. Wir unternehmen alles, damit das Heimatsound Festival dauerhaft Bestand hat. Zum Erfolg tragen vor allem unsere Besucher bei. Wir hoffen, dass sie uns noch viele Jahre die Treue halten.“
Zum Abschluss des Festivals trat Oberammergaus Erster Bürgermeister Florian Schwarzfischer nach dem Auftritt von Lenze & de Buam auf die Bühne. Er dankte den Festivalgästen für ihr Kommen und stimmte sie auf das zwölfte Heimatsound Festival ein. „Wir sind ein offener und toleranter Ort, an dem die Meinung jedes Menschen respektiert wird“, sagte Schwarzfischer. Dabei ging er auch auf den Anschlag in Berlin ein. Zudem dankte er, wie auch schon die Band „Bruckner“ den ehrenamtlichen der Feuerwehr und Bergwacht, die am Samstag einen Waldbrand am Kofel löschen mussten. Hier kamen auch Löschhubschrauber zum Einsatz.
Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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