Flammen schlagen aus den Fenstern, dichter schwarzer Rauch zieht über den Ort, aus dem Gebäude sind Hilferufe zu hören. Was am Freitagabend in Sindelsdorf wie ein schwerer Hausbrand wirkte, war eine aufwendig inszenierte Feuerwehrübung. Ein zum Abriss vorgesehenes Wohnhaus bot den Einsatzkräften die seltene Gelegenheit, unter besonders realitätsnahen Bedingungen zu trainieren. Für Feuer, Rauch, Explosionen und weitere Spezialeffekte sorgte Pyrotechnikerin Mebel Hummig.
Bei Feuerwehrübungen muss häufig eine Nebelmaschine ausreichen, um Rauch und schlechte Sicht in einem brennenden Gebäude zu simulieren. In Sindelsdorf waren die Bedingungen diesmal deutlich realistischer. Bereits Stunden vor dem eigentlichen Alarm hatte Hummig mit den Vorbereitungen begonnen. „Ich war schon sechs Stunden zuvor an dem Übungshaus, um dort alle Spezialeffekte zu installieren“, berichtet die Pyrotechnikerin.
Hummig hat sich auf die Inszenierung von Feuerwehrübungen mit Spezialeffekten spezialisiert. In ganz Deutschland arbeitet sie mit Freiwilligen- und Berufsfeuerwehren zusammen und ermöglicht es den Einsatzkräften, Brandereignisse unter realitätsnahen, aber kontrollierten Bedingungen zu trainieren. Selbst engagiert sie sich ehrenamtlich bei der Feuerwehr in Peißenberg.
Kurz nach 19 Uhr schrillte schließlich die Sirene durch Sindelsdorf. Mit der Alarmierung begann für Hummig der eigentliche Einsatz: „Feuer frei.“ Per Knopfdruck setzte sie nach und nach die vorbereiteten Effekte in Gang. Flammen schlugen aus Fenstern und vom Balkon, Knallkörper, Gaseffekte und Verpuffungen ließen das Gebäude nach außen wie ein tatsächlich brennendes Wohnhaus erscheinen.
Für die Atemschutzgeräteträger wartete im Inneren eine besondere Herausforderung. „Im Haus sind vier Übungspuppen versteckt, diese müssen die Atemschutzgeräteträger im dichten Qualm finden“, erklärte Hummig. Zusätzlich machte sich im ersten Stock eine Person mit Hilferufen bemerkbar. Mehrere Atemschutztrupps drangen in das Gebäude vor und brachten den Mann schließlich ins Freie.
Auch in der Garage bot sich den Einsatzkräften ein dramatisches Bild. Dort stand ein Motorrad in Flammen, das Feuer hatte bereits auf den Innenraum übergegriffen. Tatsächlich handelte es sich jedoch um kontrollierte Gas- und Flüssigkeitseffekte. Für Beobachter von außen war der Unterschied zu einem echten Brand kaum zu erkennen.
Ein weiteres Szenario wartete im Keller. „Im Keller haben wir zudem einen Waschmaschinenbrand simuliert, hier waren auch schwere Übungspuppen im dichten schwarzen Rauch versteckt“, sagte Hummig. Gerade die Kombination aus eingeschränkter Sicht, Hitzeeffekten, Geräuschen und der körperlich anstrengenden Rettung schwerer Übungspuppen sollte die Einsatzkräfte möglichst nah an die Bedingungen eines tatsächlichen Brandes heranführen.
Mehr als 60 Einsatzkräfte der Feuerwehren Sindelsdorf und Penzberg sowie Helfer des Roten Kreuzes aus Penzberg nahmen an der Übung teil. Auch die Kreisbrandinspektion war vor Ort und unterstützte die Einsatzleitung. Neben der Brandbekämpfung und Menschenrettung stand deshalb auch das Zusammenspiel der verschiedenen Hilfsorganisationen im Mittelpunkt.
So endete die Rettung einer Person nicht an der Haustür. Nach der Übergabe an das Rote Kreuz übernahmen dessen Helfer die medizinische Versorgung und bereiteten den „Patienten“ auf den angenommenen Transport in ein Krankenhaus vor. Damit konnte die gesamte Rettungskette vom Vorgehen der Feuerwehr im Gebäude bis zur medizinischen Versorgung trainiert werden.
Wie wichtig eine professionelle Vorbereitung solcher Übungen ist, betont Hummig. „Man kann nicht einfach irgendwelche Flüssigkeiten oder Stoffe anzünden, um daran zu üben, das kann sehr gefährlich sein. Hierbei kann es zu unkontrollierten Verpuffungen oder schweren Verbrennungen kommen.“ Durch ihre Erfahrung und speziell vorbereitete Effekte könne das Geschehen dagegen kontrolliert ablaufen und dennoch möglichst wirklichkeitsnah dargestellt werden.
Wie überzeugend die Inszenierung war, zeigte sich auch außerhalb des Übungsgeländes. Schwarzer Rauch zog weithin sichtbar über Sindelsdorf. Zahlreiche Menschen gingen zunächst davon aus, dass tatsächlich ein Wohnhaus in Flammen stand. Die Einsatzkräfte konnten jedoch schnell Entwarnung geben: Diesmal handelte es sich lediglich um eine Übung.
Nach gut zwei Stunden war das Szenario beendet. Bei der anschließenden Nachbesprechung zogen die Beteiligten eine positive Bilanz. Auch Mebel Hummig zeigte sich zufrieden: Die vorbereiteten Spezialeffekte hatten funktioniert und den mehr als 60 Einsatzkräften eine Übung ermöglicht, die einem tatsächlichen Brandeinsatz ungewöhnlich nahekam.
Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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