Nicht erst eingreifen, wenn ein alkoholisierter Wiesnbesucher bereits hinter dem Steuer sitzt, sondern die Fahrt verhindern, bevor sie überhaupt beginnt: Mit einem neuen Kontrollansatz ist die Verkehrspolizei Weilheim während des Oktoberfests gegen Alkohol am Steuer vorgegangen. Statt ausschließlich auf klassische Verkehrskontrollen zu setzen, nahmen die Beamten gemeinsam mit weiteren Dienststellen gezielt Bahnhöfe und Haltestellen ins Visier. Die Bilanz fällt positiv aus: Die präventiven Maßnahmen zeigten Wirkung – an diesem Abend wurde keine einzige Trunkenheitsfahrt festgestellt.
Alkohol am Steuer bleibt in Bayern ein ernstes Problem. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei im Freistaat insgesamt 4.857 Alkoholunfälle. Dabei kamen 30 Menschen ums Leben. Zwar waren das sechs Todesopfer weniger als im Jahr zuvor, gleichzeitig stieg die Zahl der Alkoholunfälle jedoch um 1,5 Prozent. Insgesamt verloren 2025 auf Bayerns Straßen 507 Menschen ihr Leben.
Zahlen, die zeigen, warum die Polizei gerade während des Münchner Oktoberfests besonders aufmerksam ist. Schließlich gehört für viele Besucher das eine oder andere Maß Bier zum Wiesnbesuch dazu. Wer danach noch selbst fährt, kann allerdings nicht nur seinen Führerschein riskieren, sondern sich und andere in erhebliche Gefahr bringen.
Unter der Leitung der Verkehrspolizei Weilheim fand deshalb auch in diesem Jahr wieder eine groß angelegte Oktoberfestkontrolle im Dienstgebiet statt. Dieses reicht von der Landeshauptstadt München bis in Richtung Garmisch-Partenkirchen. Während im vergangenen Jahr unter anderem großflächig auf der A95 kontrolliert wurde, wählten die Beamten diesmal eine andere Strategie.
„Dieses Jahr haben wir einen anderen Ansatz bei den Kontrollen“, erklärte Polizeiobermeister Martin Plonka, Leiter der Kontrolle. Statt alkoholisierte Fahrer erst im Straßenverkehr zu stoppen, sollte möglichst verhindert werden, dass sie überhaupt losfahren.
„Zusammen mit den Kollegen von den Dienststellen Wolfratshausen und Geretsried wurden insbesondere die Bahnhöfe und die S-Bahn-Haltestellen ins Visier genommen“, berichtete Plonka.
Denn genau dort entsteht nach Einschätzung der Polizei eine typische Situation: Das Auto wird am Bahnhof abgestellt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln geht es zum Oktoberfest – und am späten Abend wieder zurück. Nach einigen Maß Bier können die letzten Kilometer mit dem eigenen Auto plötzlich kürzer erscheinen, als sie tatsächlich sind. Nach dem Motto „Die paar Kilometer gehen schon“ wird dann womöglich doch der Schlüssel gezückt.
Rund um den Wolfratshausener Bahnhof positionierten sich deshalb Plonka und seine Kollegen auf den Parkplätzen. Weitere Einsatzkräfte nahmen andere Ortschaften ins Visier. Als es dunkel wurde, kehrten nach und nach die ersten Wiesnbesucher zurück und machten sich auf den Weg zu ihren Fahrzeugen.
Genau hier setzte die neue Strategie an. Die Polizei wartete nicht, bis die Betroffenen eingestiegen waren und losfuhren. Stattdessen gingen die Beamten aktiv auf die Wiesnbesucher zu und fragten nach, ob Alkohol konsumiert worden war.
„Wir arbeiten präventiv, um Fahrten vor Beginn zu unterbinden“, sagte Plonka.
Wer angesprochen wurde, konnte freiwillig einen Atemalkoholtest durchführen. Damit stand an diesem Abend nicht die Sanktion im Mittelpunkt, sondern die Aufklärung und das Verhindern gefährlicher Situationen. Nach Angaben der Beamten wurde dieses Vorgehen von den Wiesnbesuchern durchweg positiv aufgenommen.
Und die Strategie zeigte Wirkung. „An diesem Abend konnten viele kontrolliert werden. Eine Frau hatte 0,5 Promille Atemalkohol, sie setzte sich dann eben nicht in ihr Auto, sie holte sich ein Taxi, um nach Hause zu kommen“, berichtete der Einsatzleiter zufrieden.
Bei weiteren freiwilligen Tests zeigte das Messgerät Alkohol an. Für die Polizei genau der gewünschte Effekt: Die Betroffenen wussten noch vor Fahrtantritt, woran sie waren – und konnten ihr Auto stehen lassen.
Auch wer statt des Autos auf das Fahrrad umsteigen möchte, sollte die Alkoholgrenzen kennen. Für Radfahrer gilt ab 1,6 Promille die absolute Fahruntüchtigkeit. Bereits bei niedrigeren Werten kann eine Straftat vorliegen, wenn alkoholbedingte Ausfallerscheinungen oder ein entsprechender Unfall hinzukommen. Zudem können bei hohen Alkoholwerten fahrerlaubnisrechtliche Konsequenzen folgen.
Das Fazit der beteiligten Beamten fiel positiv aus. Der Großteil der kontrollierten Wiesnbesucher kam ohne festgestellten Alkoholwert zu seinem Fahrzeug und konnte die Heimfahrt antreten. Auch die sichtbare Polizeipräsenz und insbesondere der präventive Charakter der Aktion seien von den Bürgern gut aufgenommen worden.
Für die Verkehrspolizei war der Kontrollabend damit ein Erfolg: Nicht möglichst viele Anzeigen standen im Mittelpunkt, sondern keine alkoholisierten Fahrer auf der Straße. Dass eine Wiesnbesucherin nach dem Atemalkoholtest ihr Auto stehen ließ und stattdessen ein Taxi nahm, zeigt, wie der Ansatz funktionieren kann.
Mit dem Ende der präventiven Aktion sind die Kontrollen allerdings nicht vorbei. Die Polizei wird weiterhin im gesamten Dienstgebiet kontrollieren – dann wieder klassisch im fließenden Verkehr. Dabei können auch zivile Einsatzfahrzeuge zum Einsatz kommen - auf Autobahnen ebenso wie auf Bundes- und Staatsstraßen.
Die Botschaft der Polizei bleibt damit auch nach dem Oktoberfestabend dieselbe: Wer Alkohol getrunken hat, sollte das Auto stehen lassen – am besten, bevor aus den vermeintlich wenigen Kilometern nach Hause eine Fahrt mit schwerwiegenden Folgen wird.
Redaktioneller Hinweis: Bei der auf dem Foto abgebildeten Frau handelt es sich nicht um die Person, bei der 0,5 Promille festgestellt wurden. Sie ging mit gutem Beispiel voran und war bei der Kontrolle nüchtern.
Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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