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Höchstleistung Chemieschutzanzug – 200 Einsatzkräfte proben den Ernstfall

Von der Außenwelt nahezu vollständig abgeschottet, abhängig von der Atemluftflasche und unter enormer körperlicher Belastung: Wer als Feuerwehrmann in einem Chemieschutzanzug arbeitet, braucht nicht nur eine hervorragende Kondition, sondern auch eine außergewöhnliche mentale Stärke. Wie anspruchsvoll solche Einsätze sind, zeigte eine großangelegte Übung am Freitagabend an der Kläranlage in Garmisch-Partenkirchen. Rund 200 ehrenamtliche Einsatzkräfte verschiedener Hilfsorganisationen probten dort über Stunden hinweg den Ernstfall.

Gegen 18 Uhr setzte die Integrierte Leitstelle die Alarmkette in Gang. Die erste Meldung ließ bereits auf einen schwierigen Einsatz schließen: „Blitzeinschlag im Gebäude, unklarer Gefahrstoffaustritt im Bereich der Anlage, zirka fünf Mitarbeiter verletzt.“ Für die ersteintreffenden Feuerwehren stand damit fest: Eigenschutz hatte oberste Priorität. Ein Erkundungstrupp unter Atemschutz verschaffte sich zunächst einen Überblick und meldete fünf aufgefundene „Verletzte“ an die Einsatzleitung. „Für solche Gefahrenstoffeinsätze haben wir spezielle Anzüge und besonders geschulte Kräfte“, erklärte Martin Lutz, Kreisbrandmeister für Gefahrenstoffe.

Was von außen wie ein gewöhnlicher Schutzanzug aussieht, verlangt den Einsatzkräften im Inneren Höchstleistungen ab. In den gasdichten Chemikalienschutzanzügen sind die Feuerwehrleute von ihrer Umgebung nahezu vollständig isoliert. Die Kommunikation erfolgt ausschließlich über Funk. Ihre Atemluft beziehen sie aus einer Pressluftflasche, die sie unter dem Anzug auf dem Rücken tragen. Jeder Atemzug verringert den begrenzten Luftvorrat. Gleichzeitig müssen sie sich unter erschwerten Bedingungen bewegen, Gefahren erkennen und Verletzte retten. Körperliche Belastbarkeit allein reicht dafür nicht aus. Konzentration, mentale Stärke und Vertrauen in die eigene Ausrüstung sind ebenso entscheidend. Hinzu kommt: Ohne Unterstützung können die Einsatzkräfte ihre Schutzanzüge nicht selbstständig ablegen.

„Mit diesen Anzügen können die Einsatzkräfte den kontaminierten Bereich betreten, ohne sich selbst zu gefährden“, so Lutz. Auf dem Gelände simulierte eine aus einem Rohr austretende Flüssigkeit den Gefahrstoffaustritt. Doch bevor die undichte Stelle gesichert werden konnte, galt es zunächst, die verletzten Mitarbeiter aus dem Gefahrenbereich zu retten. Für die eingesetzten Trupps bedeutete dies körperliche Schwerstarbeit unter Bedingungen, bei denen jeder Handgriff sitzen musste. Teamarbeit und gegenseitiges Vertrauen waren dabei unverzichtbar.

Doch mit der Rettung aus dem Gefahrenbereich war die Arbeit noch lange nicht beendet. Die Verletzten galten als kontaminiert und durften keinesfalls unmittelbar in einen Rettungswagen gebracht werden. Hier kam die CBRNE-Einheit des Bayerischen Roten Kreuzes ins Spiel. Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit der Feuerwehr kontaminierte Patienten von gefährlichen Stoffen zu befreien und anschließend medizinisch zu versorgen. Auch diese Helfer arbeiteten in speziellen Schutzanzügen, allerdings mit entsprechender Filtertechnik.

Unterstützung erhielten die Einsatzkräfte aus der Luft. Eine Drohne der BRK-Einsatzleitung lieferte bereits zu Beginn wichtige Aufnahmen des weitläufigen Geländes. So konnten die Verantwortlichen die Lage überblicken und gezielt Informationen an die einzelnen Einsatzabschnitte weitergeben.

Für die Dekontamination wurde ein eigener Bereich eingerichtet. Dort entfernten die Helfer zunächst die Kleidung der Verletzten, um eine weitere Verschleppung des Gefahrstoffs zu verhindern. „An der Kleidung können diese Stoffe anhaften. Wenn man sie nicht entfernt, verteilt man sie noch mehr und gefährdet andere damit. Ausgasungen von Gefahrenstoffen an Kleidungsstücken können über einen langen Zeitraum andauern“, erklärte Lutz.

Auch mögliche Rückstände auf der Haut mussten beseitigt werden. Dafür hatte das BRK eine entsprechende Dekontaminationsstrecke mit einem Zelt aufgebaut. Hier wurden die Patienten gründlich gereinigt und medizinisch versorgt, bevor ein Weitertransport in ein Krankenhaus möglich gewesen wäre.

Rund zwei Stunden lang waren die Feuerwehren aus dem oberen Loisachtal und die Einheiten des BRK mit dem komplexen Szenario beschäftigt. Doch die Übungsleitung hatte noch eine weitere Herausforderung vorbereitet: Während die Gefahrstofflage abgearbeitet wurde, drang plötzlich dichter Rauch aus einem Gebäude. Ein zusätzlicher Brandeinsatz musste bewältigt und weitere Feuerwehren nachalarmiert werden.

Am Ende zeigten sich Einsatz- und Übungsleitung mit dem Verlauf zufrieden. Bei einer anschließenden Nachbesprechung wurden die gewonnenen Erkenntnisse gemeinsam ausgewertet. Die Übung machte vor allem eines deutlich: Hinter einem Einsatz im Chemieschutzanzug steckt weit mehr als spezielle Ausrüstung. Es sind Menschen, die unter extremen Bedingungen körperlich und mental an ihre Grenzen gehen müssen, um anderen helfen zu können.

 

Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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