Regen, kühle Temperaturen und ein verkürzter Ritt: Das Wetter meinte es mit den Teilnehmern des 61. Leonhardiritts in Unterammergau nicht besonders gut. Dennoch ließen sich die Reiter, Musiker und zahlreichen Zuschauer die Freude an ihrem traditionellen Brauchtumstag nicht nehmen. Rund 60 Pferde waren trotz widriger Bedingungen dabei – etwa halb so viele wie bei schönem Wetter. Für die Unterammergauer stand fest: Auch wenn der Himmel seine Schleusen öffnet, wird an dieser Tradition festgehalten.
Seit 1963 gehört der Leonhardiritt fest zum Brauchtum in Unterammergau. Während in den Anfangsjahren bis zu 40 Pferde teilnahmen, sind es heute bei guten Bedingungen bis zu 110 Rösser, die mit ihren Reitern und festlich geschmückten Gespannen durch den Ort zur Kappelkirche ziehen. Längst ist die Veranstaltung weit über die Gemeindegrenzen hinaus ein fester Bestandteil des gelebten Brauchtums im Ammertal.
Doch bereits am frühen Morgen mussten die Organisatoren aufgrund der Wetterprognosen umplanen. „Wir haben uns entschieden, dass wir unseren 61. Leonhardiritt verkürzen und der Gottesdienst dann in der Kirche stattfinden wird“, erklärte Erster Bürgermeister Michael Buchwieser. Eine Entscheidung, die sich als richtig erwies. Denn kaum hatte der Leonhardritt begonnen, setzte auch schon der Regen ein.
Zuvor herrschte im Ortskern noch geschäftiges Treiben. Musiker versuchten, ihre kalten Finger aufzuwärmen. Da kam ein Becher heißer Kaffee gerade recht. Auch der Dorfladen hatte sich auf die zahlreichen Besucher eingestellt. Warme Getränke und frische Leberkässemmeln fanden reißenden Absatz. Noch kurz vor der Abfahrt wurden die letzten Semmeln auf die Kutschen verteilt.
Ein besonderer Tag war der Leonhardiritt auch für Dekan Albert Hack. Der Geistliche feierte seinen 49. Geburtstag. Ganz bescheiden hielt sich der Geistliche mit seinem Geburtstag zurück, doch im Ort hatte sich die Nachricht längst herumgesprochen: „Unser Pfarrer hat Geburtstag.“ Immer wieder suchten Besucher das Gespräch mit dem beliebten Geistlichen und gratulierten ihm. Auch Leonhard Köpf, der die Kutsche des Dekans lenkte, ließ es sich nicht nehmen, vor der Abfahrt einen Schnaps auf das Geburtstagskind auszugeben.
Derweil hatten sich die Reiter und Kutscher auf den Weg gemacht. Die Pferde waren prachtvoll herausgeputzt, die Gespanne liebevoll geschmückt und auch die Trachtler zeigten sich in ihren festlichen Gewändern. Doch gerade die wertvollen, teilweise alten Trachten vertragen Feuchtigkeit nur schlecht. Entsprechend gehörten Regenschirme an diesem Tag zur unverzichtbaren Ausstattung.
Trotz des schlechten Wetters war die Freude über die Beteiligung groß. „Ich bin froh, dass es stattfindet und dass doch so viele Zuschauer kommen“, sagte Bürgermeister Buchwieser. Zahlreiche Besucher hatten entlang der Strecke Schutz unter Hausdächern und Bäumen gesucht, um den Festzug möglichst im Trockenen verfolgen zu können.
Kurz vor zehn Uhr setzte sich der Leonhardiritt schließlich in Bewegung. Zunächst führte der Weg wie gewohnt durch den Ort in Richtung Kappelkirche. Doch kurz vor dem Gotteshaus bog der Umzug auf die verkürzte Strecke ab und kehrte in den Ortskern zurück.
Am Dorfbrunnen warteten bereits die Musik- und Blaskapellen aus Unterammergau, Oberammergau, Ettal, Altenau und Bad Kohlgrub sowie die Trommlerzüge. Trotz Regen sorgten die Musiker für einen würdigen musikalischen Abschluss. Nach fünf Musikstücken, darunter zum Abschluss die Bayernhymne, endete der diesjährige Leonhardiritt.
Der geistliche Teil des Leonhardiritts fand anschließend wie angekündigt in der Kirche statt. Dort rückte Dekan Albert Hack den heiligen Leonhard, den Schutzpatron der Pferde und des Viehs, in den Mittelpunkt seiner Predigt. Dabei ging er auch auf die Bedeutung der Freiheit ein. „Auf dem Rücken der Pferde die Freiheit erleben“, sagte Hack.
Auch Landrat Anton Speer unterstrich die Bedeutung des Leonhardiritts für die Region. „Diese Tradition muss aufrechterhalten bleiben. Ich freue mich, dass trotz des Wetters viele Teilnehmer nach Unterammergau gekommen sind, um dem heiligen Leonhard zu danken.“
Für Speer gab es an diesem Tag aber auch eine ganz persönliche Begleitung. Immer wieder war seine zweijährige Enkeltochter Ida an seiner Seite. Mal auf dem Arm, mal an der Hand des Großvaters. Und wenn die Kleine ihren Opa erst einmal für sich hatte, wurde dieser so schnell nicht wieder hergegeben.
Text / Fotos / Videos Copyright: Dominik Bartl/MedienPics.de
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